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Dieser Schlitz ist ein Witz!

Standpunkte
  • Friday, 10. June 2005 @ 16:33
Der Unsinn der EU-Liberalisierung und Marktöffnung hat eine konkrete Form angenommen, die jeder begreifen kann. Nicht nur Begreifen ist möglich, es kann auch jeder der will, hineingreifen.

In die neuen, geschlitzten Postkastl nämlich, die nach dem Willen der Regierung den 1,7 Millionen Haushalten in den nächsten 13 Monaten zwangsverordnet werden. Das Vertrauen von Verkehrsminister Gorbach, der Pomerantsche mit Ablaufdatum, dass die ÖsterreicherInnen diesen massiven Eingriff in die Privatsphäre widerstandslos hinnehmen werden, ist offensichtlich gering. Nur so ist zu erklären, dass der von der EU bis 2009 befristete Briefkastenumtausch schon bis 1. Juli 2006 durchgepeitscht werden soll.

Vollendete Tatsachen sind das beste Mittel gegen Widerstand. Die Erfahrung von Zwentendorf, dass es auch anders geht, wurde in Österreich schon lange nicht mehr gemacht. Die Zeit ist reif, dies Erfahrung zu wiederholen.

Die Zeit Erfahrung zu sammeln hat schon begonnen. Ein pakistanischer Kollege, der in einem gnadenlosen Wettbewerb mit seinen Werbung zustellenden Kollegen steht, hat die Vor- und Nachteile des großen Schlitzes schon im Griff. Da er seine Prospekte abliefern MUSS, holt er, um sich Platz zu schaffen, aus vollen Postkastln die Werbebroschüren seiner Vorganger wieder heraus. Dass er dabei auch wichtige Post erwischen kann, schliesst er nicht aus.

Dass er jetzt einer von vielen ist, der Zutritt hat zu bisher nur von Postboten betretenen Stiegenhäusern großer Wohnhausanlagen, ist ihm unangenehm, wird er doch nun nur noch kritischer von Hausbewohnern beäugt. Er persönlich hält offen, vor der Haustür angebrachte Werbefächer, aus denen man nur die Broschüren entnimmt, die man wirklich will, für die wesentlich bessere Lösung.

Erfahrungen sammeln jetzt auch die bereits zwangsbeglückten Bewohner, z. B. im Wiener Gasometer, die sich durch einen persönlichen Eingriff in ihr �Narrenkastl� davon überzeugt haben, dass ihr Briefgeheimnis ein Geheimnis war. Wer will und über eine normale Handgröße verfügt, kann es jetzt lüften, wenn er will. Zweckdienlich ist dafür auch, dass die neuen Briefkastl außen mit Namen versehen sind und derart über genaue Lage und Betriebszustand der Wohnung informieren.

Erfahrungen sammeln können auch politisch Interessierte, wenn sie sich die breite, an sinnvollen Argumenten reiche Flut der Empörung in den diversen Internetforen zu Gemüte führen. Da geht es den meisten nicht um ein kurzfristiges Abreagieren, sondern es wird offen die Frage gestellt, wie diese Frechheit zu verhindern ist.

Die Einsicht in die Notwendigkeit bis zu 100 Euro für ein neues Postkastl zahlen zu müssen, das man nicht will und nicht braucht, hat außer der EU-Kommission, der Regierung, der Werbewirtschaft und den Postkastlherstellern niemand.

Motive, aktiv gegen die �Offenlegung� des Postkastls zu werden, hat nicht nur jede/r einzelne als betroffener Kunde, sondern auch eine Reihe von Gruppen, die zusätzlichen von Nachteilen betroffen sind. Die Postler selbst, von Liberalisierung bis zum Verlust des Arbeitsplatzes betroffen, HausbesorgerInnen, die die Auswirkungen auf die Hausgemeinschaften einschätzen können, bis zu BewohnerInnen von Einschichtbauerhöfen, die sicher auch weiterhin nur die Post AG versorgen wird, denen man aber trotzdem den "100-Euro-Schlitz" ist Kastl zwingt.

In Wien-Margareten, dass das Narrenkastl ebensowenig braucht wie das übrige Österreich, wollen wir den Sommer nutzen, um das Problem im wörtlichen Sinn �begreifbar� zu machen. Ein Griff in den Schlitz eines mobilen Briefkastens soll jedermann und jederfrau die Möglichkeit geben, sich von dieser Narretei zu überzeugen und noch bevor es zur Montage kommt, mit seiner Unterschrift zu bestätigen: Geschlitzte Postkastln - return to sender, zurück an den Absender!

Wer ausreichend Frust oder Lust hat, sich daran zu beteiligen, wendet sich an rotpunkt@kpoe.at