Willkommen bei Rotpunkt - KP÷ Margareten Sunday, 31. May 2020 @ 22:57

Dieser Schlitz ist ein Witz!

  • Friday, 10. June 2005 @ 16:33
Archiv Der Unsinn der EU-Liberalisierung und Marktöffnung hat eine konkrete Form angenommen, die jeder begreifen kann. Nicht nur Begreifen ist möglich, es kann auch jeder der will, hineingreifen.


In die neuen, geschlitzten Postkastl n√§mlich, die nach dem Willen der Regierung den 1,7 Millionen Haushalten in den n√§chsten 13 Monaten zwangsverordnet werden. Das Vertrauen von Verkehrsminister Gorbach, der Pomerantsche mit Ablaufdatum, dass die √ĖsterreicherInnen diesen massiven Eingriff in die Privatsph√§re widerstandslos hinnehmen werden, ist offensichtlich gering. Nur so ist zu erkl√§ren, dass der von der EU bis 2009 befristete Briefkastenumtausch schon bis 1. Juli 2006 durchgepeitscht werden soll.

Vollendete Tatsachen sind das beste Mittel gegen Widerstand. Die Erfahrung von Zwentendorf, dass es auch anders geht, wurde in √Ėsterreich schon lange nicht mehr gemacht. Die Zeit ist reif, dies Erfahrung zu wiederholen.

Die Zeit Erfahrung zu sammeln hat schon begonnen. Ein pakistanischer Kollege, der in einem gnadenlosen Wettbewerb mit seinen Werbung zustellenden Kollegen steht, hat die Vor- und Nachteile des gro√üen Schlitzes schon im Griff. Da er seine Prospekte abliefern MUSS, holt er, um sich Platz zu schaffen, aus vollen Postkastln die Werbebrosch√ľren seiner Vorganger wieder heraus. Dass er dabei auch wichtige Post erwischen kann, schliesst er nicht aus.

Dass er jetzt einer von vielen ist, der Zutritt hat zu bisher nur von Postboten betretenen Stiegenh√§usern gro√üer Wohnhausanlagen, ist ihm unangenehm, wird er doch nun nur noch kritischer von Hausbewohnern be√§ugt. Er pers√∂nlich h√§lt offen, vor der Haust√ľr angebrachte Werbef√§cher, aus denen man nur die Brosch√ľren entnimmt, die man wirklich will, f√ľr die wesentlich bessere L√∂sung.

Erfahrungen sammeln jetzt auch die bereits zwangsbegl√ľckten Bewohner, z. B. im Wiener Gasometer, die sich durch einen pers√∂nlichen Eingriff in ihr �Narrenkastl� davon √ľberzeugt haben, dass ihr Briefgeheimnis ein Geheimnis war. Wer will und √ľber eine normale Handgr√∂√üe verf√ľgt, kann es jetzt l√ľften, wenn er will. Zweckdienlich ist daf√ľr auch, dass die neuen Briefkastl au√üen mit Namen versehen sind und derart √ľber genaue Lage und Betriebszustand der Wohnung informieren.

Erfahrungen sammeln k√∂nnen auch politisch Interessierte, wenn sie sich die breite, an sinnvollen Argumenten reiche Flut der Emp√∂rung in den diversen Internetforen zu Gem√ľte f√ľhren. Da geht es den meisten nicht um ein kurzfristiges Abreagieren, sondern es wird offen die Frage gestellt, wie diese Frechheit zu verhindern ist.

Die Einsicht in die Notwendigkeit bis zu 100 Euro f√ľr ein neues Postkastl zahlen zu m√ľssen, das man nicht will und nicht braucht, hat au√üer der EU-Kommission, der Regierung, der Werbewirtschaft und den Postkastlherstellern niemand.

Motive, aktiv gegen die �Offenlegung� des Postkastls zu werden, hat nicht nur jede/r einzelne als betroffener Kunde, sondern auch eine Reihe von Gruppen, die zus√§tzlichen von Nachteilen betroffen sind. Die Postler selbst, von Liberalisierung bis zum Verlust des Arbeitsplatzes betroffen, HausbesorgerInnen, die die Auswirkungen auf die Hausgemeinschaften einsch√§tzen k√∂nnen, bis zu BewohnerInnen von Einschichtbauerh√∂fen, die sicher auch weiterhin nur die Post AG versorgen wird, denen man aber trotzdem den "100-Euro-Schlitz" ist Kastl zwingt.

In Wien-Margareten, dass das Narrenkastl ebensowenig braucht wie das √ľbrige √Ėsterreich, wollen wir den Sommer nutzen, um das Problem im w√∂rtlichen Sinn �begreifbar� zu machen. Ein Griff in den Schlitz eines mobilen Briefkastens soll jedermann und jederfrau die M√∂glichkeit geben, sich von dieser Narretei zu √ľberzeugen und noch bevor es zur Montage kommt, mit seiner Unterschrift zu best√§tigen: Geschlitzte Postkastln - return to sender, zur√ľck an den Absender!

Wer ausreichend Frust oder Lust hat, sich daran zu beteiligen, wendet sich an rotpunkt@kpoe.at