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Leben nach der schwarzen Schablone

Wahlen
  • Sunday, 24. September 2006 @ 10:55

Wäre Wolfgang Schüssel ein Linker, würden Emanzen vor ihm flach liegen, gibt sich der tiefste Kanzler der zweiten Republik – präpotent wie er ist – sicher. Über eine „richtige Sau“ zu einer Buchbesprechung gelangt Claudia Lutz, die als Unabhängige für die KPÖ-Margareten zum Nationalrat kandidiert. Wer eine „richtige Sau“ ist, hat Schüssel schon erklärt, was eine richtige Sau auszeichnet, hat er kürzlich bewiesen, indem er seine sexistische Entgleisung – offenbar wohlüberlegt – damit rechtfertigte, dass man(n) ja auch vor Begeisterung stehen kann.
Fehlinterpretation? Möglich. Sicher ist, dass sich die „Emanzentruppe“, also Frauen, die ihre sozialen und kulturellen Rechte einfordern, kein Leben nach der schwarzen Schablone wünschen und ein Flachliegen vor Schüssel schon gar nicht.
Ein Leben gemäß dem Frauenbild der ÖVP bedeutet, Ehefrau, Mutter und Männerversorgerin zu sein, nicht ausschließlich, so eng kann im 21. Jahrhundert nicht einmal die schwarze Schablone geschnitten sein, ohne Frauen als Wählerinnen zu vergrämen, sondern als Leitbild, an dem sich die konkreten Frauenpolitik der Regierung orientierte.

Die rote Schablone
In den Sechziger Jahren legte der Schünemann Verlag eine Buchreihe auf, die den Titel „Das aktuelle Thema“ trug. Wie aktuell die kleine Hetzschrift „Leben nach der roten Schablone“, die als Band 5 erschien und die „sozialistische Gleichschaltung“ an den Pranger stellte, noch immer ist, erfährt frau, wenn sie sie unter dem Gesichtspunkt der oben thematisierten schwarzen Schablone neu liest.
Ein Beispiel. In dem Buch steht: „Wir sind nur (sic!) Frauen, und wir wollen nur Frauen sein. Mit der gesellschaftlichen Arbeit laßt uns in Frieden!“ Der männliche Autor setzte diesen Appell unter Anführungszeichen, um ihn den Frauen, wie er sie phantasierte, in den Mund zu legen. Selbstverständlich würde die ÖVP die zitierte Aussage heute in der Form nicht treffen. Sie streicht aber die Förderungen von unabhängigen Fraueninitiativen, um ihnen die Bedingungen, unter denen sie gesellschaftliche Arbeit leisten, zu erschweren.

Träumen wie Lenin
Noch ein traumhaftes Beispiel wie das Leben nach der schwarzen Schablone die Form aber nicht das Grundmuster geändert hat: „Frauen träumen von verführerisch eleganten Pumps“, während die bösen KommunistInnen „den Frauen ans Herz (legen), zu träumen wie Lenin: durch und durch politisch.“ Dass dadurch „eine Lockerung des Ehelebens und der Einträchtigkeit der Familie nicht zu vermeiden ist“, versteht sich, zumal dies alles unter dem „wunderlichen Motto“ läuft: „Werdet finanziell unabhängig von Euren Männern!“
Soweit die Hetzschrift aus den 60zigern. Nun zur Gegenwart. Heute müssen aus Sicht der ÖVP Frauen wohl von verführerischen Hütten träumen, denn diese, so Maria Rauch-Kallat, können, vorausgesetzt sie werden richtig gewählt, die Karriere fördern. Am anderen Ende des politischen Spektrums stehen die durch und durch politischen Kommunistinnen, die die Scheren schließen wollen, um Frauen finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen. Aber selbst die ÖVP ist heute weit davon entfernt, Selbstbestimmung als „wunderliches Motto“ abzuwerten. Sie degradiert sie lieber – bei Aufrechterhaltung der herrschenden Einkommensverhältnissen – zu einer Wahlfreiheit, um so „eine Lockerung des Ehelebens und der Einträchtigkeit der Familie“ zu vereiteln.