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Margaretner Frauentag

  • Saturday, 27. February 2010 @ 06:24

Heute war eine Einladung zum 11. Margaretner Frauentag in meinem Postkasten. Was sich die Bezirks-SPÖ, Verzeihung: die Bezirksvertretung Margareten, da unter dem Motto „Fitness für Körper, Geist und Seele“ einfallen hat lassen, liest sich wie ein Pflichtenheft der neoliberalen (Selbst-) Verpflichtung für Frauen. Ein Kommentar von Claudia Krieglsteiner. Informationen und Beratung zu folgenden Themen werden angeboten: Lebenslanges Lernen, Aus-, Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsvorsorge und Tipps aus der Apotheke, Raucherinnenentwöhnung, Welche Frisur steht mir?, Gesichtspflege und Make-up, Fittness-Wellness-Wohlfühlen und Psychotherapie.

Aber auch noch spezifischere Frauenangebote fehlen nicht: Pflegebedürftige Angehörige, Kindererziehung – kein Kinderspiel und Sicherheitstipps der Polizei locken aus Anlass des 100. Internationalen Frauentages ins Amtshaus des 5. Bezirks.

Es scheint, als seien die Bezirks-SPlerinnen recht stolz auf dieses Angebot, weil sie davon ausgehen, dass es genau diese Fragen oder Probleme sind, mit denen sich die Mehrheit der Frauen herumschlagen. Und sehen wir nur für einen Moment (!) von den – doch auch einigen Tausend – Frauen in Margareten ab, die sich hauptsächlich darüber den Kopf zerbrechen müssen, wie sie die Miete bezahlen können, oder die Fernwärme oder die Stromnachzahlung und ob am Ende des Monats noch genug Geld da ist, um wenigstens für die Kinder etwas halbwegs Essbares auf den Tisch stellen zu können, stimmt das wahrscheinlich sogar.

Denn der „malestream“ legt uns nahe, dass wir mehr denn je darauf achten müssen, in Form zu bleiben, um auf den Märkten aller Art bestehen zu können.

Sind sie Raucherin, zu dick oder magersüchtig, haben Stimmungsschwankungen oder neigen unter Stress zu Überreaktionen? Das kommt weder am Arbeits- noch am Sexual- (und sofern noch vorhanden Heirats-) Markt gut.

Aus einem anderen Jahrhundert (ja echt!) die Bilder von Frauen, die am 8. März öffentlich BHs verbrannt haben, weil sie als Symbol der patriarchalen Zurichtung interpretiert wurden. Aus einem anderen Jahrhundert die Bilder der großen Demonstrationen der Frauenbewegung der 1. Republik und die der „neuen Frauenbewegung“.

Ein bisschen sentimental darf ein 100 Jahr-Jubiläum ja machen, aber vielleicht müssen auch wir unseren eigenen, feministischen Blick hinterfragen: Was sagen uns die jungen Frauen, die sich in Kopftücher hüllen, weil sie sich den entkleidenden und sexistischen Blicken der männlichen Öffentlichkeit entziehen wollen? Leichter fällt uns das Verständnis für die jungen Frauen, die sich ihren Eltern und Brüdern entgegenstellen, wenn diese von ihnen verlangen, ebensolche Kopftücher zu tragen. Was sagen uns die jungen Frauen, die in selbstverständlicher Freizügigkeit ihre fülligen Körper in Spagetti-Träger-Leiberln und Jeans, die kaum an die Hüften reichen, kleiden und uns in U-Bahn und Bim begegnen und was sagen wir ihnen?

Beherrschen wir eine Sprache, die die blassen schwarz angezogenen, bemalt und behangenen Emo- Gothic-, Grufti-Mädchen erreichen kann?

Vielleicht könnten wir den 8. März 2010 nützen um Kontakt aufzunehmen? Aber wohl kaum bei der „Kontaktbörse“, die auch im Amtshaus im 5. angeboten wird.