Themen

Termine

Es stehen keine Termine an

Willkommen bei Rotpunkt - KPÖ Margareten Thursday, 20. September 2018 @ 03:36

>

Armutsalarm in Wien/Margareten

  • Tuesday, 23. February 2010 @ 05:43

Die Caritas schlägt Alarm. In Wien leben mittlerweile 280.000 Menschen unter der Armutsgrenze. 500 von ihnen werden monatlich von der Sozialberatung in der Wiedner Hauptstraße 140 in Margareten betreut. Diese Einrichtung der Caritas der Erzdiözese Wien feierte kürzlich ihr 30-jähriges Bestehen. Wolf-Goetz Jurjans, Sprecher der KPÖ-Margareten, besuchte die Festveranstaltung. Armutsalarm
Referatsleiter Martin Litschauer weiß: „Die Menschen, die heute kommen, haben große existenzielle Probleme. Im Schnitt zahlen sie so viel für Miete und Energie, dass damit bereits zwei Drittel ihres Einkommens verbraucht ist.”
Mittlerweile sind nicht nur Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger von Armut betroffen. Immer mehr beschäftigte Menschen, darunter vor allem Alleinerzieherinnen in Teilzeit, kommen mit ihrem Einkommen nicht aus. „Wer ‘neu’ in Armut gerät, muss bürokratische Hürden überwinden”, so Litschauer, „das führt dazu, dass viele Menschen oft Monate auf ihr Geld warten. In Härtefällen springt dann die Caritas ein.”
„Ein künftiges Sparpaket darf nicht auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen werden”, appellierte deshalb auch Caritasdirektor Michael Landau.

Nullarmut
Unter diesen visionären Titel stellte die Sozialberatung Wien der Caritas eine Veranstaltung anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens. Wolf-Goetz Jurjans war Gast in den brechend vollen, sehr freundlich ausgestatteten Räumlichkeiten und informierte sich über die konkrete Sozialarbeit vor Ort. „Ich bin sowohl von der optimistischen Losung wie von den Leistungen der Institution und ihrer MitarbeiterInnen beeindruckt.”

Armut in Margareten
„Im 5. Bezirk sind mittlerweile mehr als 8.000 Menschen von Armut betroffen. Das Gespenstische an der Situation ist, dass man die Armut den meisten Menschen nicht anmerkt. Das Kronenzeitungsbild des heruntergekommenen Sozialschmarotzers ist ebenso falsch wie das rassistische Hetzbild, das die FPÖ zeichnet.
Da Armut jeden treffen kann und auch trifft, schaut sie auch aus wie Jedermann/Jedefrau, wird sie auch nicht auf den ersten Blick wahrgenommen und bleibt unbewusst.
Bewusst wird die Lage zum Beispiel, wenn ich darauf angesprochen werde, warum es in Margareten keinen Sozialmarkt gibt”, so Jurjans, „oder wenn mir der Trafikant am Margaretenplatz berichtet, dass ihm die Zunahme der HalbpreisfahrscheinkäuferInnen auffällt. Das sind Junge wie Alte, InländerInnen wie ImmigrantInnen, Frauen wie Männer.”

Kinder frieren
Es ist den erleuchteten Fenstern der Häuser auch nicht anzumerken, dass mehr als 600 Margaretner Kinder in unterkühlten Wohnungen leben. Hohe Preise für Primärenergie, An- und Abschaltkosten sowie schlecht isolierte Wohnungen – vor allem im Substandardsegment – treffen sozial und finanziell Schwache am schnellsten und härtesten.

Miete und Energiepreise als Armutsbeschleuniger
„Dass 2/3 des Einkommens schon von Wohnung und Energie gefressen werden und dann nur mehr ein paar Euro für Lebensmittel übrig bleiben, wundert mich als Margaretner nicht. Die ständig steigenden Mieten im liberalisierten Wohnungsmarkt verdrängen mehr und mehr Menschen aus dem wiedenseitigen Bezirksteil.
Am Margaretnplatz werden mittlerweile 70 m² Wohnungen zu 1.500 Euro im Monat angeboten, MargaretnerInnen im Gebiet zwischen Reinprechtstorferstraße und Gürtel sind gezwungen, horrende Summen für Substandardwohnungen hinzublättern.”

Soziale Reform der Altbausanierung nötig
Die Sanierungspraxis in Margareten mit seinem großen Althausbestand zeigt, dass die bisherigen Instrumentarien des Stadterneuerungsfonds nicht ausreichen, um eine sozial verträgliche Bezirksbestandsverbesserung für alle sicher zu stellen. „Wir erarbeiten zur Zeit mit ExpertInnen konkrete Alternativen und werden sie zur gegebenen Zeit der Öffentlichkeit vorstellen.”

Armut als Nährboden der Rechten
„Es ist mir besonders wichtig, den Zusammenhang zwischen der zunehmenden Verarmung und dem Erstarken der Rechtsextremisten klarzustellen. Der Propaganda der FPÖ, die sich Armutsbekämpfung nur unter Apartheid-Bedingungen vorstellen kann und auf leicht widerlegbaren Lügen und Vorurteilen aufbaut, muss entschlossen widersprochen werden. Wir werden das in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt tun.”

Vorinformation:
Das Buch „Das Gespenst der Armut. Reportagen und Analysen zur Kritik der Sozialen Vernunft”, das Lutz Holzinger mit 2 Beiträgen von Hansjörg Schlechter verfasst hat, wird am 10. März um 19 Uhr im Kulturzentrum Rotpunkt vorgestellt. Termin bitte vormerken.