Anja Danneberg: Ich lebe prekär

Inzwischen hat es sich in die eine oder andere Tageszeitung geschlichen und sogar bei Gewerkschaftstreffen wird darüber gesprochen: das Wort prekär. Es wird für bestimmte unsichere, meist schlecht bezahlte Arbeitsplätze verwendet. Es kann aber auch weit mehr im Leben bedeuten. Sehr selten wird es von Betroffenen in der Politik verwendet. Betroffene gehören ja gar nicht in die Politik. Zumindest könnte man das glauben, wenn man sich die im Parlament etablierten Parteien anschaut. Gerade deshalb kandidiere ich für die „KPÖ. Linke Liste“. Die KPÖ hat Vorstellungen und Forderungen gegen die Prekarisierung unserer Gesellschaft entwickelt und eingeladen, dafür aktiv zu werden.

Seit meine beiden Kinder auf der Welt sind, lebe ich prekär. Und das ist schon eine ziemlich lange Zeit. Mehr als 17 Jahre. Als gelernte Zahnarztassistentin mit geringem Verdienst sah ich nach Zwischenstationen im Gastgewerbe in der Grafikbranche eine Chance, die ich bei einer Zeitschrift im Hochglanzformat ergriffen habe. Ich bekam meine erste Tochter, und nach zweijähriger Karenzzeit fing ich wieder im Grafikgewerbe an, doch nach der Behaltefrist, in welcher meine Mutter meine Tochter versorgte, wurde mir gekündigt. Ich war eine zeitlang arbeitslos, machte AMS-Kurse und versorgte mein Kind. Ich hatte immer von vielen Kindern geträumt und wurde auch wieder schwanger. Auch der Vater meines zweiten Kindes war familienuntauglich, und so kümmere ich mich alleine um meine Töchter. Ohne die Hilfe meiner Eltern würde es mir sehr schwer fallen, den Schikurs oder die Schullandwoche zu bezahlen, wir könnten uns das Klavier für meine kleine Tochter nicht leisten und auch nicht den Computer für meine Ältere. Ich lebe prekär, ich lebe am Limit – und das nicht nur finanziell, sondern auch energiemäßig, denn ein prekäres Leben bedeutet doppelten Kraft- und Zeitaufwand, um den Alltag zu bewältigen.

Ausstieg links! Ich kandidiere für die Bezirksvertretung in Margareten.


Rotpunkt - KPÖ Margareten
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