Menschlichkeit heißt im Weg stehen: Eine Rede von Wolf Jurjans

Der Spitzenkandidat der KPÖ-Margareten Wolf Jurjans hielt beim Volksstimmefest die nachstehende Wahlrede. Reden am Volksstimmefest können vom Publikum als bloße Überbrückungen während den Bühnenumbauten wahrgenommen werden oder als eigenständige Programmpunkte, denen man Aufmerksamkeit schenkt. Die Rede von Wolf Jurjans wurde - dem Applaus zu Folge - als ein programmatischer Höhepunkt des Festes empfunden. Werte Volksstimme FEST Gäste,

ich bin Wolf Jurjans, Mitglied der KPÖ, “KP-Bezirksrat in spe” in Margareten und Kandidat im Gemeinderats-Wahlkreis Zentrum (inklusive Stephansdom).

Erlaubt mir ein paar kurze Bemerkungen.
Das erste ist ein Hinweis in eigener Sache. Es wird den meisten aufgefallen sein, dass dieses schöne Fest Volksstimmefest heißt. Es wird schon nicht mehr so vielen aufgefallen sein, dass ganz am Ende der Feststraße ein Standl steht, auf dem Volksstimme steht. Dort kann man die VS abonnieren. Die Volksstimme ist zur Zeit ein monatlich erscheinendes, buntes Heftl mit Bildern, in das ich, aber noch viel mehr interessante und spannende GenossInnen und NICHT GenossInnen Artikel hineinschreiben, die man sonst nirgends lesen kann.
Die sogenannte Medienlandschaft druckt diese Artikel nicht ab, weil sie in ihnen den teuflischen Plan der Kommunisten erkennt, in Österreich lebende Menschen mit scharfer Kritik und guten Argumenten zu versorgen und zu motivieren, gegen Armut und Rassismus, gegen Rechtsextremismus und den neoliberalen Kapitalismus aktiv zu werden.
Und tatsächlich. Das ist unser Plan. Wir sind durchschaut. Nur ist der Plan nicht teuflisch, sondern vernünftig und geht von der Idee aus, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen soll und nicht, wie es heute der Fall ist, dass der Mensch mit seiner schrulligen Menschlichkeit andauernd der reibungslosen Verwertung zu Profitzwecken im Weg steht. Wie die Herrschenden meinen.

Menschlichkeit, Humanität als Begriff hat heute keine Bedeutung mehr, weil Kriege humanitäre Einsätze heißen.
Menschlichkeit, ernst genommen, heißt heute “Im Weg stehen“, dort zu widersprechen, wo der Gegner am lautesten und dreistesten ist.
Menschlichkeit heißt heute, sich an die Seite derer zu stellen, die ab-geschoben, aus-gegrenzt, ab-gebaut werden, die aus dem Stadtbild retuschiert werden, mit einem Mausclique von der Rathaus homepage und von der realen Straße mit der Polizei, die sozialdemokratische Gesetze vollzieht.
Menschlichkeit Leben heißt für mich heute, diese schöne Stadt nicht zu einem Potemkinschen Dorf verkommen zu lassen, in dem die alten Gebäude nur mehr als Fassade für internationale Konzerne dienen, die Standl des Naschmarkts nur mehr Kulisse für kaufkräftige Fressmeilenfresser sind und die Menschen nur mehr Beiwerk für eine sogenannte “Standortsicherheit“, die nur die Sicherheit des Kapitals, gute Geschäfte zu machen, ist.

Der Bürgermeister dieser Stadt hat sich gestern als Drachentöter im Kampf des Guten gegen das Böse dargestellt und damit den Intensiv-Wahlkampf eröffnet. Er hat dem Zahntechniker vorgeworfen, dass er mit Angst billige Politik macht. Im nächsten Satz hat er dem “Wiener Blut Vergifter“ unterstellt, er würde den Gemeindebau verkaufen, wenn die FPÖ die Mehrheit bekommen würde. Das ist interessant, weil der Herr Bürgermeister offensichtlich auch kein anderes Billig-Politik-Mittel kennt, um die GemeindebaumieterInnen zum SP Kreuzerl zu drängen, als ihnen Angst zu machen.
Wenn er zur Angstmache und Einschüchterung greifen muss, hat das einen Grund. Tatsächlich ist der Ausverkauf der Stadt schon längst im Gange. Kanalnetz, Straßenbahnen und, und, und, ... sind längst an ausländische Investoren verkauft worden. Mangels Gesinnung konnten die Häupl/Brauner/Kopitz - SPÖ nichts mehr verraten. Aber verkaufen konnten und können sie. Sie haben die Theater und Museen, die Verkehrsbetriebe und die Bestattung, die Energieversorger, einen Medienkonzern und ein Immobilienreich zu einer Wien Holding zusammengebaut, durch Privatisierung der demokratischen Kontrolle entzogen und mit den rosaroten Tentakeln greift das Politbüro dieser Krake bis zum letzten SP-Abhängigen durch. Die SP Sektionen sind heute eine Reminiszenz an den Mythos des Rotes Wien, das mit dem heutigen Wien so viel zu tun hat wie die Hypo Alpen Adria mit dem Mythos des Kärntner Abwehrkampfes.
Das wiederum sollte uns aber keine Angst machen, sondern uns herausfordern. Es sollte die zivilcouragierten Menschen, die Selbstdenkenden und Selbstmeinenden dazu bewegen, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Und bewegt wird diese Stadt paradoxerweise nur dann, wenn sich am linken Rand, am Wahlzettel, dort wo die Unaussprechlichen stehen, die Linken und die KommunistInnen, sich die Kreuzerl vermehren. Vielleicht ein kleines Kreuzerlgewitter die stickige Wiener Politluft erfrischt.
Die Stadt ist voll von engagierten, jungen und alten, einheimischen und einheimisch werdenden Menschen, die mit viel Phantasie, aktionistisch, positiv und engagiert, gegen die Naziphilen Politiker in der Opposition und in der Regierung auftreten, sich laut machen. Sich stark machen.
Menschen, die erkennen, welcher Wahnsinn es ist, wenn Frau Fekter noch am Tag nach dem Massenmord an Romas in Bratislava die Lügenwalze auflegt, Romas werden in Bussen nach Österreich gekarrt, um sich hier unser Geld abzuholen.

Ich rufe euch, ich rufe alle, denen Wien und seine Bewohnerinnen und Bewohner nicht wurscht sind auf, am 10. Oktober das Kreuzerl bei der KPÖ zu machen.
Für viele wird es eine neue Erfahrung sein, vielen wird es schwer fallen, viele werden sich am 11. Oktober wieder in den Arsch beißen, wenn Häupl die Absolute als Begründung nehmen wird, alles genau so weitermachen zu können wie bisher.
Ich fordere euch auf. Beißt euch am 9. in den Hintern, zeigt am 10. Oktober die Zähne und schickt am 11. den Zahntechniker in seinen Brotberuf zurück. Dort kann er die menschlichen Lücken schließen, die er selbst hat. Ich fordere die christlich, sozialistisch und grün motivierten Linken auf, die Chance zu nutzen, ihr humanistisches Linkssein in ihren Mutterparteien zu stärken. Mit einer Stimme für die KPÖ, die sich dazu gerne missbrauchen lässt.
Und ich fordere alle jene auf, die es bis zur Wahlurne aushalten, dann aber im letzten Moment wieder zweifeln, staatstragend werden, und sich wieder nicht trauen. Haltet durch. Traut euch. Bezweifelt einmal eure Zweifel. Ihr werdet sehen das KPÖ Kreuzerl tut nicht euch weh. Es schmerzt die Richtigen.


Rotpunkt - KPÖ Margareten
http://rotpunkt.kpoe.at/article.php?story=20100911085114578