Claudia Krieglsteiner: Ich lebe gern in Margareten

Claudia Krieglsteiner kandidiert für die KPÖ-Margareten auf dem zweiten Listenplatz. Sie lebt, sagt sie, gerne in Margareten und ist doch, so fügt sie hinzu, auch oft sehr zornig! Ich bin in Tirol aufgewachsen, aber nun schon seit 25 Jahren Margaretnerin und lebe gerne im Bezirk. Ich mag die kleinen Geschäfte, dass in vielen Ecken von Margareten mehr Leute auf der Straße sind als Autos. Die alten Häuser. Wenn man sich den Wiener Stadtplan ansieht, ist Margareten im Unterschied zu den anderen Bezirken innerhalb vom Gürtel nicht ein breiter werdender Strahl, der von der Inneren Stadt ausgeht, sondern schneidet die Wieden auf halbem Weg zum Gürtel ab. Das hat seine geschichtlichen Gründe und ich denke, die wirken bis heute fort. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wollten die BürgerInnen auf der Wieden nicht mehr im selben Bezirk wohnen, wie die vielen tausend Arbeiter und Arbeiterinnen in den Ziegelfabriken. Diese waren hauptsächlich tschechische MigrantInnen und wurden Ziegelböhmen genannt. Die Wiedner wollten nicht weiter in den gleichen Steuertopf einzahlen und so entstand 1862 Margareten als eigener Wiener Bezirk.

Margareten ist ein Einwanderer-Bezirk geblieben. Für Leute aus den anderen Bundesländern und aus anderen Weltgegenden. Aber bis heute blieb Margareten auch in Vielem ein Stiefkind der Stadt.

Es gibt kein öffentliches Bad in Margareten. Das Rognerbad wurde ja, nachdem es seinem Besitzer nicht mehr genug Profite einbrachte, zugesperrt, obwohl eine sehr aktive BürgerInnen-Initiative andere Vorschläge entwickelt hatte. Es gab zwar immer wieder Vorhaben dazu, aber letztlich nie eine U-Bahn-Station im Bezirk, sondern an den Bezirksgrenzen zum 6. und zum 12. Bezirk Die Busverbindungen im Bezirk sind daher meistens total überfüllt und dementsprechend laut und schmutzig.

Die Arbeitslosigkeit unter den MargaretnerInnen ist immer überdurchschnittlich hoch, genauso wie die Armut unter den BewohnerInnen. In den schönen alten Häusern gibt es Substandardwohnungen, in denen auf kleinstem Raum oft sehr viele Menschen zusammenleben. Das ergibt nicht nur ungeheuerliche Mieteinnahmen für die Hausbesitzer und ein schwieriges Alltagsleben für die BewohnerInnen, sondern mitunter auch Probleme in der Waschküche, im Stiegenhaus oder im Hof. Freizeitangebote an Kinder und Jugendliche sind Mangelware, es gibt kein einziges offenes Frauenprojekt.

Am 10. Oktober haben – zumindest alle Wahlberechtigten – die Gelegenheit den ewig Regierenden, die aus den alten Trampelpfaden offensichtlich nicht heraus wollen, die „rote Stimme“ zu zeigen. Die werden deswegen ja nicht gleich aus dem Spiel genommen, sondern bekommen MitspielerInnen die Druck von der Linken Seite her entwickeln, denn die ist bisher doch wirklich zu schwach entwickelt.


Rotpunkt - KPÖ Margareten
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