Margareten darf keine Spielhölle werden

Vor mehr als 3 Jahren wurden im 5. Bezirk, in Umkreis Siebenbrunnenplatz / Reinprechtsdorferstraße um die 75 (!) Spielautomaten gezählt. Mittlerweile hat sich die Anzahl dieser morbiden Geldvernichtungsapparate um ein vielfaches vermehrt. Ein Gastkommentar von Walter Förster, der in Margareten nicht noch mehr „Einarmige Banditen“ haben möchte. Tausende Menschen, darunter auch Jugendliche, stehen vor dem finanziellen Ruin. Die Bedrohung chronischer Verelendung als auch die Versteppung ganzer Stadtteile (ständig geschlossene Lokale und Geschäfte) ist allgegenwärtig. Wenn Geschäfte oder seit vielen Jahren beliebte Gast- bzw. Kaffeehäuser bei uns geschlossen werden, entstehen tickende Zeitbomben, die stets nur eine Frage auslösen: „Wird eine neue Spielautomatenhölle bzw. ein neues Wettbüro entstehen oder nicht?“

Nur ein Beispiel: Das jahrzehntelang sehr beliebte, von vielen Pensionisten gern besuchte, preiswerte Kaffe- und Gasthaus Metternicht am Siebenbrunnenplatz ist heute ein Wettbüro, kombiniert mit Spielautomaten. Was sonst, möchte man fast ausrufen?!

So geht es nicht weiter. Wollen wir ein Las Vegas für Arme zulassen oder nicht. In 5 österreichischen Bundesländern gibt es aufgrund des jeweiligen eigenverantwortlichen Ländergesetzes keinerlei Spielsuchtversuchstätten. Ich fordere daher Bezirksvorsteher Kurt Wimmer auf, sich gegen Novomatic bzw. andere Automatenvereinigungen und Glücksspielkonzernen zu erheben und die Verantwortlichen unter Druck zu setzen. In diesem Fall die Stadtregierung. Zeigen sie Zivilcourage und schützen sie Margareten vor diesen unsäglichen und mittlerweile unzähligen Spiellokalen. Ich fordere mit Vehemenz, die baldige Schließung sämtlicher Wettbüros sowie Spielautomaten in unserem Bezirk, sowie in ganz Wien.

Es geht nicht an, dass hunderte Spielautomaten nachweislich 24 Stunden rund um die Uhr das Geld tausender spielsüchtiger Menschen (auch viele von ihnen Minderjährige – es gibt ja fast keine Kontrollen) aus der Geldbörse ziehen und deren Leben ruinieren. Jedes Monat, ja sogar oft jede Woche entstehen neue Spielhöllen, was gleichzusetzen ist mit der innerlichen Zerstörung von Margareten. Bezirksvorsteher Wimmer selbst hat zugegeben, dass in einem Nobelbezirk wie Döbling man keinerlei Spielautomaten finden wird. Aber in einem „armen“ Bezirk wie Margareten, wo die Menschen vom schnellen Geld träumen, ist das selbstverständlich. Und damit hat er eine Sicht auf Margareten dargestellt, die einer Bankrotterklärung gleicht: in unserem Bezirk ist nur ein Leben in Armut möglich. Wenn man diese Sicht auf Margareten hat und untätig bleibt, dann sollte man eigentlich als Bezirksvorsteher zurücktreten.

Es sei noch hinzugefügt, dass es selbst in der Ukraine möglich war, die Spielautomaten, die das Volk bereits zu ruinieren begannen, zu beseitigen. Warum also nicht bei uns? Korruption möchte ich nicht unterstellen. Jedenfalls tun die etablierten Parteien zu wenig, um ein spielsuchtfreies Margareten gegen die Profitinteressen von Glücksspielkonzernen durchzusetzen.


Rotpunkt - KPÖ Margareten
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