polycollege Buchhandlung darf nicht geschlossen werden!

Auf Beschluss der Geschäftsführung der Volkshochschule GmbH soll die polycollege Buchhandlung auf der Reinprechtsdorfer Straße 38 in Wien Margareten aus "wirtschaftlichen" Gründen geschlossen werden. Diese Entscheidung ist falsch und inakzeptabel.

Wir fordern:
Die sofortige Rücknahme der Kündigungen, die Aussetzung des Schließungsbeschlusses und die Einberufung eines Runden Tisches. Dort sollen alle Verantwortlichen und Betroffenen Mittel und Maßnahmen mit dem Ziel verhandeln, die Zukunft der (vorletzten) Margaretner Buchhandlung und ihrer wichtigen Funktion als lokale, kulturelle Nahversorgung bzw. als volksbildnerische Schnittstelle in Zeiten dynamischer, gesellschaftlicher Herausforderungen zu sichern.
Begründung:
Die polycollege Buchhandlung ist als unverzichtbarer kultureller Nahversorger ein wichtiger Teil der sozialen und bildungspolitischen Infrastruktur des 5. Bezirks. Der Bedarf an qualitätsvoller Literatur und hochwertiger Information ist in einer Situation gesellschaftlichen Wandels im Steigen begriffen und kann durch Leerstehungen, Billigshops oder Spiellokale nicht gedeckt werden.
Sowohl für die Entwicklung der Reinprechtsdorfer Straße zur attraktiven Einkaufsstraße wie für die Entwicklung Margaretens zu einem Musterbezirk ist die fatale Schließungsentscheidung kontraproduktiv.
Das Polycollege, das jahrzehntelang eine progressive, bezirksidentitätsstiftende Rolle gespielt hat, ist aufgefordert, dem Beschluss der zentralen Geschäftsführung der Volkshochschul GmbH zu widersprechen und sich der Grundidee der VHS zu erinnern: "... die von der Schule in der Volksbildung gelassenen Lücken zu ergänzen und dadurch die gegenwärtige und insbesondere die künftige Generation zum Kampfe um's Dasein zu stärken."

Die Schließung ist, auf Grundlage der Umwandlung des Vereins zu einer Ges.m.b.H., konkreter Ausdruck einer politischen Fehlentwicklung, die (Volks)Bildung als rein kommerziellen Vorgang versteht und damit den notwendigen gesellschaftspolitischen Auftrag verkennt und negiert. In einer Zeit, in der Gesinnungen gestärkt und gefördert werden, die, wie wir aus der Geschichte wissen, dazu neigen, Büchern zu verbrennen, ist die Schließung einer Buchhandlung der Volkshochschule ein Alarmzeichen, dass eine entschlossene, vielfältige und erfolgreiche Intervention erfordert.

Wir wenden uns an alle KundInnen der Buchhandlung, die BesucherInnen und VertreterInnen des Polycolleges Stöbergasse, an die Literatur- und Kulturschaffenden, an die Bildungsverantwortlichen des 5. Bezirkes, die Bildungs- und Kulturverantwortlichen aus den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer, die örtliche Kaufmannschaft, BV Kurt Wimmer, die Mitglieder der Bezirksvertretung, die politischen Parteien des Bezirks und alle MargaretnerInnen und WienerInnen, denen bewusst ist, dass es angesichts eines immer klarer werdenden bildungspolitischen Defizites Bildungsoffensiven statt die Schließung von Buchhandlungen braucht.

Der Abbau von qualifizierten Arbeitsplätzen mit einem hohen Kundenbetreuungsniveau ist schlußendlich mit der Zielsetzung "Margareten muss besser werden" nicht vereinbar.

Desig. Margaretner KP- Bezirksrat Wolf Jurjans

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Rotpunkt - KPÖ Margareten
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