Willkommen bei Rotpunkt - KPÖ Margareten Tuesday, 18. January 2022 @ 12:06

2005

  • Monday, 6. June 2005 @ 16:57
Über die Funktion von Gedenkjahren oder warum alternative Sichtweisen, Pluralität in der Geschichtsdeutung, die ja immer auch Gegenwartsdeutung ist, das Feiern, die Selbstbeweihräucherung der Mächtigen stört. Runde Geburtstage üben eine Faszination aus. Sie werden in der Regel pompöser gefeiert. Die Feier gilt aber nicht dem Ereignis selbst, dem Jahrestag der Geburt, sondern der Repräsentation des damals Geborenen über die Jahre hinweg. Runde Geburtstage sind somit vortreffliche Anlässe, um das Geburtstagskind und die Beziehungen, die man zu ihm unterhält, zu definieren. Das Geburtstagskind wird in die eigene Vergangenheit und Gegenwart zur Selbstversicherung eingeordnet.

Nicht anders verhält es sich beim öffentlichen Gedenken anlässlich der runden Wiederkehr eines für die Identität einer Gesellschaft, einer Nation prägenden Ereignisses. Keinesfalls steht das Ereignis, der Anlassfall der Feierlichkeit im Mittelpunkt, sondern die Einordnung desselben in die gegenwärtigen politischen Absichten und vorherrschenden Geschichtsdeutungen. Das kollektive Erinnern wird seitens der Eliten instrumentalisiert, inszeniert, um die jeweils eigenen Sichtweisen in der Gesellschaft zu verankern. Gedenkjahre sind demnach immer auch staatliche Versuche, ein möglichst einheitliches Geschichtsbewusstsein für den Zusammenhalt des Gemeinwesens zu generieren. Pluralität wird, obwohl eine Säule der Demokratie, in diesem Zusammenhag nicht honoriert. Kollektives Bewusstsein sehen die Herrschenden am liebsten in Uniform.

Eine alternative Sicht auf die Bedeutung, dem politischen Gehalt, die aktuelle Relevanz auf das vermeintlich im Zentrum des Gedenkens stehenden Ereignisses hat somit wenige Chancen, entsprechendes Gehör zu finden.

So war es auch nicht überraschend, dass die zentrale Veranstaltung der KPÖ zu 60 Jahre Befreiung vom Faschismus vom ORF ignoriert wurde, dass die KPÖ als Gründerpartei der Zweiten Republik und als die Organisation, die den größten Anteil am Widerstand gegen das NS-Regime leistete, zu den offiziellen Gedenkveranstaltungen der Republik nicht eingeladen wurde, ein Umstand, der schlicht skandalös ist.

Zur Nachlese über die erwähnte Gedenkveranstaltung, die unter der künstlerischen Leitung von Eva Brenner und Nicolas Dabelstein im KosmosTheater stattfand und ein voller Erfolg war, siehe: „Es bleibt das ?“

Täglich aktuelle Kommentare, Hintergrundinfos, Biografien und anderes mehr rund um das Gedenkjahr 2005 finden sich unter: 2005 - Eine Initiative der KPÖ