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115 Jahre 1. Mai

  • Tuesday, 7. June 2005 @ 14:03
Nicht alles, was aus den USA kommt, ist schlecht. Ein Antiamerikanismus, der alles verteufelt, was seinen Ursprung in den Staaten hat, ist schlicht naiv, kann eher als persönliche Schrulle denn als politische Haltung angesehen werden. Denn immerhin hat auch der internationale Kampftag der ArbeiterInnenbewegung, der 1. Mai, seine Wurzeln im sogenannten Land der unbegrenzten Möglichkeiten. 1955 verkündete Papst Pius XII. den 1. Mai als Fest für den heiligen Arbeiter Joseph. Der Tag der Arbeit ist somit seit fünfzig Jahren ein christlicher Feier- bzw. Gedenktag. Das Jubiläum, das der 1. Mai für KommunistInnen heuer feiert, ist jedoch ein anderes, namentlich das 115zehnte.

1890 fand zum ersten Mal entsprechend den Beschlüssen des Gründungskongresses der Zweiten Internationalen in Erinnerung der Opfer des Haymarket Riot der 1. Mai als Kampftag der ArbeiterInnenbewegung statt.

Kurz zur Vorgeschichte: Um der Forderung nach Einführung des Achtstundentags entsprechend Nachdruck zu verleihen, rief die nordamerikanische ArbeiterInnenbewegung 1986 einen Generalstreik aus. Diesem Aufruf folgend kam es darauf hin in den Industrieregionen zu Massenstreiks und Demonstrationen. In Chicago endeten die Kundgebungen tödlich. Vier Arbeiter wurden von der Polizei erschossen. Bei einer sich gegen die Polizeigewalt richtende Protestkundgebung am 4. Mai eskalierte die Gewalt. Mehrere Polizisten und Dutzende Arbeiter fanden bei dem Aufruhr, der als Haymarket Riot in die US-amerikanische Geschichte einging, den Tod.

Der 1. Mai ist für uns KommunistInnen aus Margareten folglich kein Feiertag, an dem es langt, einige Gebete an Jesus weltlichen Papa, Joseph von Nazareth, dem Schutzpatron der ArbeiterInnen, zu richten, bevor es heißt, einen freien Tag zu genießen, nein, er ist für uns ein Kampftag des internationalen Proletariats, der neben Gedenken auch Aktion verlangt, der internationale Solidarität einfordert und Engagement in den aktuellen Klassenauseinandersetzungen.

Unter dem Motto „Gemeinsam Widerstand“ schlossen wir uns daher auch dieses Jahr der vom „Personenkomitee 1. Mai“ organisierten Maikundgebung an. Im Aufruf wurde der Charakter des 1. Mai als Kampftag hervorgehoben und dem Versuch, den 1. Mai zu einem bloßem Traditionsfeiertag zu reduzieren, eine klare Absage erteilt. Denn nichts, hieß es im heurigen Maiaufruf, „von den Errungenschaften und dem bisschen sozialer Sicherheit, die heute im Zeichen des Neoliberalismus abgeschafft werden, nicht der 8-Stunden-Tag und nicht die Sozialversicherung, nicht der freie Hochschulzugang und nicht die Fristenlösung wurden von den Herrschenden verschenkt. Sie mussten unter Risiken und Entbehrungen erkämpft werden.“

Die Fotos zeigen den Zug der KPÖ-Margareten in Richtung Albertina, wo wir mit den anderen Bezirksgruppen der KPÖ und den anderen teilnehmenden Organisationen (u.a. GLB, KSV, DIDF, ATIGF und Wiener Friedensbewegung) den gemeinsamen Treffpunkt hatten.