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Mikroausstellung über Hugo Huppert

  • Tuesday, 1. May 2007 @ 15:39

Bis Anfang Juni zeigt die KPÖ-Margareten eine Mikroausstellung – der Schaukasten des Parteilokals ist die gesamte Ausstellungsfläche – über den kommunistischen Lyriker, Prosaisten, Kulturkritiker und Nachdichter Hugo Huppert, dessen 25. Todestag vor kurzem war. Über Hugo Huppert existiert kein Beitrag im populären Weblexikon Wikipedia und auch in renommierten Lexikotheken findet sich kein Eintrag über ihn, obwohl er ein umfangreiches und künstlerisch hochwertiges Werk hinterlassen hat. Die geringe Resonanz, die sein Schaffen heute findet, hat mehrere Ursachen.

Hugo Hupperts literarische Heimat war biographisch bedingt (siehe Zeittafel) die Sowjetunion und in späteren Jahren die DDR. Seine Dichtung entstand somit fernab den Auseinandersetzungen des österreichischen Literaturbetriebs und blieb diesem entsprechend fremd. Sein lyrisches Schaffen war zudem trotz eigenem Formwillen, wie Hugo Huppert selbst sagte, Musik, aber nicht die der ersten, sondern der zweiten Geige.

Seine Nachdichtungen hingegen, für die er nach wie vor bekannt ist, haben größeren Nachhall gefunden. Hugo Hupperts Übersetzungen sind Dichtkunst im Schatten, im Dienst anderer. Er verstand es, poetische Kraft zu übertragen ohne Abschwächung von der einen in die andere Sprache, vom Original ins Deutsche. Die Kritik richtet sich aber mittlerweile auch gegen Huppert als Nachdichter. So wird ihm immer häufiger vorgeworfen, Wladimir Majakowski, dessen Bild er im deutschsprachigen Raum prägte, ideologisch vereinnahmt und ebenso bieder wie kommunistisch interpretiert zu haben.

Mit der Mikroausstellung über Hugo Huppert würdigt die KPÖ-Margareten jedenfalls eine große Persönlichkeit der kommunistischen Bewegung, die, obwohl der bleibende Charakter des künstlerischen Werks mancherorts angezweifelt wird, nicht in Vergessenheit geraten wird.

Zeittafel Hugo Huppert

5. Juni 1902
Hugo Huppert in Bielitz (Bielsko/Polen) geboren.

1920-1926
Studium der Staatswissenschaften und Ökonomie in Wien. Promotion bei Hans Kelsen. Auslandsstudium an der Sorbonne in Paris.

1928
Berufung an das Moskauere Marx-Engels-Institut und Beginn der Mitarbeit an der MEGA (Marx-Engels-Gesamtausgabe).

1932-1935
Studium am Institut für Rote Professur in Moskau

1936-1938
Mitarbeit als Kulturredakteur an der DZZ, der „Deutschen Zentral-Zeitung“, und Mitarbeit als stellvertretender Chefredakteur an der Emigranten-zeitschrift „Internationale Literatur – Deutsche Blätter“. Enge Arbeitsbeziehung zu Johannes R. Becher.

1936
Seminarleiter am Marxim-Gorki-Institut, einer sowjetischen Hochschule für Schriftsteller. Beginn der Nachdichtungen von Wladimir Majakowski.


Wladimir Majakowski

1938-1939
Dunkelhaft und Folter durch eine Denunziation beim NKWD.

1942-1944
Lehrer an antifaschistischen Schulen für deutsche und österreichische Kriegsgefangene.

1944
Sekretariatsarbeit für Ilja Ehrenburg.

1944-1945
Fronteinsatz in der Uniform der Roten Armee in Rumänien, Ungarn, der Slowakei, NÖ und bei der Befreiung von Wien.

1945-1949
Kulturpolitische Arbeit in Österreich

1949
Rückkommandierung in die UdSSR aufgrund einer Beziehung mit einer Serbin.

1949-1956
Publizistik und Übersetzungen (u.a. das klassische Werk der Frührenaissance Schota Rusthawelis „Der Recke im Tigerfell“) während der Verbannung.

1956
Rückkehr nach Österreich.

1956-1982
Umfangreiche schriftstellerische Arbeit. Publikation zahlreicher Bücher, die vorwiegend in der DDR erschienen. Zuerkennung vieler Auszeichnungen und Preise: Heinrich-Heine-Preis (1964), Nationalpreis der DDR (1967), Preis des Weltfriedenfonds (1972) und Kunstpreis der DDR (1976).

1963
Mitglied in der Akademie der Künste der DDR

1972-1977
Späte Anerkennung durch das offizielle Österreich. Verleihung des Professorentitels (1972). Verleihung des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst (1977).

25. März 1982
Hugo Huppert in Wien verstorben.